Solothurner Zeitung / 20. August 2007
Street Music begeisterte
Solothurn Grossandrang in der Vorstadt
Regelrecht überrannt wurden am Samstagabend die Organisatoren des 11. Street-Music-Festivals in der Solothurner Vorstadt: Die rund 400 Sitzplätze reichten im Unteren Winkel nirgends hin, doch auch auf den Stehplätzen machte sichSommerparty-Laune pur breit – denn nach drei Jahren im schützenden Zelt konnte der Anlass endlich wieder einmalopenair durchgeführt werden. Viel zur Stimmung trugen die vier Formationen aus der Region bei, die den «Heimvorteil» auch in einer gemeinsamen Jam-Session nutzten. Mit einer Matinee, bestritten durch die Ambassador Big Band, ging das Festival gestern Mittag zu Ende. (WW) Seite 16

Da kam Sommerparty-Laune auf
11. Street-Music-Festival Im Unteren Winkel gingen am Samstag nicht nur die Sitzplätze aus
Ein
goldenes Händchen hatten die Organisatoren des Street-Music-Festivals:
Das ideale Wetter und die Wahl von lauter bekannten Solothurner Formationen
sorgten für einen Grossaufmarsch in der Vorstadt und eigentliche Sommerparty-Laune
bis tief in die Nacht.
WOLFGANG WAGMANN
«Wir waren überrascht vom Riesenansturm», zog gestern OK-Mitglied Brigit Stadelmann eine erste Bilanz. Tatsächlich waren am Samstagabend die fast 400 (Gratis-)Sitzplätze im Unteren Winkel schon um 18.30 Uhr augebucht, und zwei Stunden später mussten die Risotto-Köche den Kochlöffel definitiv strecken. Kurz darauf folgte ein Bratwurst- und Plastikgabeln-Engpass, und das Service-Personal – neben dem OK tragen rund 40 Helferinnen und Helfer das Festival – war am Dauer-Rotieren. Denn erstmals nach drei Jahren konnte das OK wieder einmal auf das ungeliebte Zeltstellen verzichten; nebst viel Arbeit hatte der Wetterschutz auch immer rund 1700 Franken extra gekostet. Die Ambiance auf dem freien Platz mit der Ausleuchtung der alten Vorstadt-Häuser fand Brigit Stadelmann deshalb «genial» – fast wie auf einer italienischen Piazza.
Mehr als Hausmannskost
Nach einigen eher fragwürdigen
Experimenten in der Programmgestaltung hatte das OK mit dem Motto «back
to the roots» wirkungsvoll Gegensteuer gegeben: Man setzte diesmal auf
lauter Bands aus der Region, die nicht nur ihre Fangemeinde mitbrachten, sondern
auch bestens zusammen harmonierten, wie die sponate Mitternachts-Jam-Session
als eigentlicher Stimmungshöhepunkt beweisen sollte. Als erste Einheizer
betätigte sich die sympathische «Altherren-Group» der Werkstatt
Jazz Band Solothurn mit den aus Gugaaggeri-Zeiten so klingenden Namen wie Rolf
Rickenbacher, Urs Gysin, Fritz Zimmermann, Hugo Stüdeli, Martin Nobs, Marc
Eigenheer und - als Zuzug an Klarinette und Sax - Bruno Amweg. Der gradlinige Dixie der Combo stimmte ein auf ein Duett
der kongenialen Art, das eigenlich längst einen zumindest nationalen Bekanntheitsgrad
haben müsste. Denn was Dülü Dubach und Urs Jenni unter dem Begriff
«le Bonsaï Orkestra» auf verschiedensten Instrumenten herauskitzeln,
garniert in aberwitzigen Blödelsongs mit hohen Kopfstimmen oder dem «Miau,
Miau!» einer Katze, das ist nun schlicht und ergreifend Unterhaltung der
Spitzenklasse!
Nach einer schöpferischen Pause zeigte aber auch die Eigebröi Street Band, dass sie trotz dem Engagement zweier Mitglieder im Festival-OK ein sicherer Wert und ein Must im Programm ist. Überzeugend wieder die Bläserparts, die den eigenwilligen Groove der «Eigebröi» seit jeher geprägt haben. Auch bereits zum dritten Mal setzten im Unteren Winkel die musikalischen Tausendsassas der Formation Yacun eigentliche Stimmungs-Glanzlichter in die wogende Vorstadt-Arena, die von Kindern bis zum «Gruftie» alle Alterskategorien beim fröhlichen Festen vereinte.
Ausklang am Sonntagmorgen
Noch leicht verkatert musste sich
die Helferschar schon bald am Sonntagmorgen um die seit einigen Jahren eingeführte
Matinee kümmern. Nach einigen Regentropfen aus dem blauen Himmel (!) vertrieb
die Ambassador Big Band mit schmissigen Stücken leichte Zweifel am bisherigen
Wetterglück. Auch das Abschluss-Konzert zog noch-mals ein rund 300-köpfiges
Publikum an. Ein gelungenes Finale auch für Brigit Stadelmann und das ganze
Team: «Das Schöne war, dass trotz der vielen Leute, die da waren,
eine völlig friedliche Stimmung herrschte und es keine Randale gab.»
Und auch die Toleranz der Anwohner – am Samstag wurde wegen der Superstimmung
doch etwas überzogen – freute Stadelmann; etliche der Hausbesitzer
und -bewohner ringsum feierten einfach wacker mit.
Solothurner Tagblatt / 20. August 2007
Liegt New Orleans an der Aare?
Petrus hatte endlich wieder mal ein Einsehen mit dem Street-Music-Festival. Bands um Publikum liessen die Fetzen fliegen.
Ein traumhafter Sommerabend bildete den perfekten Rahmen für das 11. Street-Music-Festival, das im Unteren Winkel der Vorstadt stattfand. Im Gegensatz zu den letzten drei Jahren war Petrus mehr als gnädig. Jung und alt pilgerte in grosser Zahl an das kleine, aber feine Festival. Es begann pünktlich um 18 Uhr mit der «Werkstatt Jazz Band», einem 1999 gegründeten «Derivat aus der Gugaaggeri-Musig». Fröhlich-beschwingt schmetterten die Herren ihre jazzigen Kracher ins Publikum, das zu dem Zeitpunkt schon alle Festbänke besetzt hatte. Die Musik, die nach eigenen Angaben Dixieland-, Swing- und Blues-Einflüsse aufweist, kam gut an bei der Menge. Man applaudierte bei den Soloeinlagen und sah den sieben Musikern ihre Freundschaft deutlich an, die sie «nach jeder Probe bei einem Essen und einem Glas Wein begiessen.» Ein Highlight
Eine Stunde später enterte «Le Bonsaï Orkestra», bestehend aus dem Duo Dülu Dubach und Urs Jenni, der einigen vielleicht noch von der legendären «Wöschbrätt Band» ein Begriff ist, die Bretter. Eine breite musikalische Stilvielfalt und Instrumentenpalette, zeitgeistlicher Wortwitz und ungebremste Spielfreude zeichneten diese Formation aus. Ob es nun eine Begrüssung aller möglichen Bevölkerunsgsschichten in Schnitzelbankform, das «interkontinentale Mustafalied» oder eine Liebeserklärung an Chardonnay war, man schmunzelte und war beeindruckt zugleich. Obwohl Urs Jenni «diesen Anlass fast zu gross für unser Orkestra» empfand, für manchen dürfte dies das Highlight des Abends gewesen sein.
Von wegen am Anschlag
Man sei «ein bisschen am Anschlag, schliesslich sind wir keine Profis», lautete die Ansage von Martin Wagmann der «Eigebröi Street Band». Dies bezog sich aber nicht auf die Musik, sondern auf den gastronomischen Betrieb, der zu diesem Zeitpunkt seinen Höhepunkt erreichte: Auf dem Grill wurden im Akkord Spare-Rips und Bratwürste gebraten, und die Risottoproduktion gab dem Anlass die passende sommerliche Duftnote. Paul und Martin Wagmann sind seit Beginn Mitglieder des OK, und die Ansage hatte insofern keine Berechtigung, als die preiswerte Verpflegung und der Service keinen Grund zur Beanstandung gaben. Die achtköpfige Brassband «Eigebröi» spielte auch ihren «kraftvollen, modernen New Orleans Jazz» routiniert und souverän. Hervorzuheben ist ihre Adaption des Coolio-Hits «Gangstas Paradise». Dennoch war ein leichter Stimmungsrückgang festzustellen, den man aber darauf zurückführen kann, dass die meisten Zuschauer mit Essen beschäftigt waren.
«Yacun» waren wie alle anderen Bands nicht das erste Mal an dem Festival und bildeten den Quasi-Headliner des Samstagabends. Passend zur Dämmerung hatten sich diverse Zuschauer von den Festbänken erhoben und liessen vor der Bühne die Fetzen fliegen. Die Band war sicherlich jene mit dem grössten Rockanteil des Abends, aber insbesondere die Ska- und Tangorhythmen machten Lust, das Tanzbein zu schwingen. Die Band wurde 1988 von Danièle und Gabriel Ducommun gegründet, mittlerweile spielen zwei Generationen dieser musikalischen Familie mit. Einzelne Mitglieder waren derart gut in Stimmung, dass sie sich zu der feiernden Menge gesellten und somit ihre eigenen Songs «antanzten». Die weiblichen Gesangsparts und melancholische Töne setzten einen passenden Gegenpart und sorgten für Erfrischung.
Das Finale kam schliesslich um 23 Uhr, als «Yacun», die «Eigebröi Streetband» und zum Schluss noch «Le Bonsaï Orkestra» zusammen auf der Bühne standen und gemeinsam ihr Können zum besten gaben. Der harte Kern, darunter viele Mitglieder der Solothurner Musikerszene aus allen Generationen, blieb bis zum Schluss und schenkte der «Louisiana-Bar» die verdiente Beachtung in Form von Longdrinks und Caipirinha. Michael Jager